Die gefallenen Engel
Startseite
Spenden-Bitte ;-)
Steinhausen aktuell
Über uns...
Reiten & Co
Sich einbringen...
Vermittlungspferde
Die Bleibis
Wahre Geschichten
Zu Hause gefunden
Zu Hause gefunden2
Gästebuch
Kontakt

Die zehn kleinen Zwerge

Im Januar 2007 wurden wir von einem Pferdehändler angerufen, ob wir 10 Shettyhengste haben wollten. Wenn wir keinen "Bedarf" hätten, würde er sie mit nach Belgien nehmen um sie dort zu Hundefutter verarbeiten zu lassen.

Wir zögerten keinen Moment und fuhren los, um den Umzug der 10 Zwerge klar zu machen.

Hier einige Bilder von unserem ersten Zusammentreffen:

   

Verhandlung und Ankauf beim Händler

 

Hier Rusti und der Schecke Punk

   

ganz hinten der Schecke Rambo

 

Hinten Rabo und Rusti, rechts Flämmchen

   

Rambo

 

Freak

Was wir zu sehen bekamen, übertraf unsere schlimmsten Erwartungen. Es waren 10 kleine Shettyjungen im Alter von 4- 6 Monaten, alle stark erkältet, mager bis deutlich unterernährt und einige mit eindeutigen Druseanzeichen. 

Natürlich kauften wir alle sofort und einen Tag später zog die Rasselbande in unsere Scheune, wo Maxi und Sabrina in einer Tagesaktion hurtig einen großzügigen Laufstall hergerichtet hatten.        

   

Sabrina baut fleißig

 

fertig!

   

Flämmchen

 

Freak

   

Freak und Mephisto

 

Rusti und Rambo

Sechs von zehn!

   

Erst einmal richtig ausschlafen

 

Die kleine Krabbe musste erst mal einige Zeit in der Klinik verbringen, wo er wegen seiner Lungenentzündung behandelt wurde.

Der Tierarzt diagnostizierte: Bronchitis, Lungenentzündung, Druse, Haarlinge, Verwurmung, Unterernährung.   

Es dauerte gut 3 Monate, bis sich die Minis von ihren Erkrankungen erholt hatten. Quasi von heute auf morgen kam Leben in die Bande und ab Mai konnte man täglich sehen, wie schnell sich solche Stöpselchen entwickeln.

   

Die kleine Krabbe hat es geschafft

 

Punk macht sich lang

noch ein wenig mager aber gesund!

 

 

 

 

 

Ab Mai werden die Stöpsel vermittelt:

Drei gehen in Westfälische zu Jenny

      

Mr. Bones heißt jetzt  Jamie

 

Die kleine Krabbe heißt Jimmy

 

Und Punk heißt jetzt Jonny

   

Jenny und Jonny

 

Alle drei beim Mittagsschlaf

Zwei gehen nach Kürten zu Nina:

 

   

Aus Freak wurde Filou

 

und aus Rasti wurde Momo


 

Zwei gingen zu Andrea in Belgien:

 

   

Auf Rambo wurde Napoleon

 

Aus Rusti wurde Joe (Foto folgt )

Älfen ging zu Frank und Marion nach Wiehl und wurde zu Schröder :-)

 

Und aus Flämmchen wurde Klecks der jetzt der jetzt im schönen Kirchhein wohnt

 

Leider fehlt noch ein Bild von Mephisto, also wie immer: Fortsetzung folgt ;-)

Fazit: von zehn totkranken Shettykinder konnte für alle ein gutes neues zu Hause, bei verantwortungsvollen Menschen gefunden werden. Sie kamen zu uns als kranke, kleine Hengstchen und sind heute stattliche Wallache. Alle haben ihr Versprechen eingehalten und die Jungs legen lassen! Vielen Dank dafür!

****************************************************************************************************************

Kalinka

 

Am 11.07.2003 kam Kallinka zu uns. Sie ist ein 2,5 Monate altes Kaltblut- Mischlings- Fohlen. Unser einschlägiger Händler rief uns an, ob wir das Fohlen nehmen könnten, die Mutter wäre vergiftet worden, sonst würde es mit auf den Transport gehen! Wir haben 2 Tage überlegt und nun ist sie hier! Unsere Tierärztin, die liebe Frau Dr. Langhorst, diagnostiierte "offener Gaumen" einen sogenannten Wolfsrachen. Ein großer Teil der Nahrung, die Kalinka zu schlucken versucht, läuft über die Nase wieder heraus! Es sei evtl operabel, wenn sich das Fohlen stabilisiert!

 

Nun, nach dieser niederschmetternden Diagnose sind wir sicher, dass sich Kalinkas Mama bester Gesundheit erfreut und Kalinka nicht zu unserem Händler gekommen ist, weil die Mutter angeblich vergiftet worden war, sondern Kalinka geschlachter werden sollte. Wir fragen uns immer wieder:

Warum bringen diese Menschen ihre "ach so geliebten Tiere" nicht selbst dorthin und überzeugen sich davon, dass sie wirklich tot sind???????

 
Wir haben nun das Glück, dass wir zwei Tierärzte haben, die zusammen arbeiten und sich gegenseitig gut beraten können. So haben die zwei, die liebe Frau Dr. Langhorst und der liebe Herr Dr. Neumann- Kleinpaul, sich beraten und sind zu folgendem Ergebnis gekommen: Da Kalinka trotz ihres Defektes sehr gut aussieht, wollen wir abwarten, wie sie sich weiter entwickelt. Sollte es gut laufen, werden wir sie in 6 bis 8 Wochen in einer Klinik vorstellen um eine evtl. Korrektur des offenen Gaumens machen zu lassen.

 

 

Auf diesem Bild ist deutlich zu erkennen, wie die aufgenommene Nahrung, hier Gras, beim Abschlucken durch die Zunge in die Nase gedrückt wird und dann dort rausläuft. Dadurch kommt natürlich nicht genug im Magen an. Eine weitere Gefahr ist, dass bei einer starken Atmung, Nahrung in die Lunge gelangt und dort zu einer Lungenentzündung führt.

 

 

 

 

Wir werden Kalinka nun erst einmal beobachten, sie mit Fohlenmilch- und Fohlenstarter gefüttert und dann wie gesagt, in einer Klinik vorstellt. Sollte die Prognose sehr ungünstig sein, werden wir wohl die Entscheidung treffen, dass Kalinka eingeschläfert wird. Dies wird dann bei uns im Stall geschehen und wir können dann sicher sein, dass sie nicht weiter von Hand zu Hand verschachert wird, nur um ein paar Euro daran zu verdienen.

 

 

 

16.07.03 Kalinka klettert über ihre Boxentür und geht zu Mago in die Box. Mago ist ein vorbildlicher "Onkel", wenn Kalinka in seiner Box schläft, steht er mit hängendem Kopf davor. Kalinka geht aber auch in ihre eigene Box, sodass auch Mago mal schlafen kann; wir lassen beide Türen offen. Kalinkas Box ist zu niedrig für Mago und so kann sie sich zurück ziehen wenn sie will und hat auch ihr Futter für sich alleine. Mago jedoch teilt seines mit ihr. Wir warten....

Kalinka soll irgendwo aus dem Raum Krefeld/ Geldern kommen, vielleicht kennt jemand das Stütchen und wir würden uns freuen, wenn wir den Namen des Vorbesitzers erfahren würden, den der Händler natürlich nicht heraus gibt. Es wäre uns wichtig, dem Vorbesitzer etwas zu seinem Verhalten zu sagen, auch wenn er sich davon nichts anziehen wird. Wenn jemand irgendwelche Erfahrungen mit der Korrektur von offenen Gaumen hat, wären wir dankbar über eine Info!

 

 

Kalinka lebte sich gut ein, und begann mit gesundem Appetit zu fressen! Bald zog sie ganz zu Mago in die Box und ging überhaupt nicht mehr in ihre eigene. Nun, leider schmeckte Mago das Fohlenfutter besser als sein eigenes und so fraß er Kalinka einen Großteil ihres Futters weg. So konnte es nicht weitergehen und wir fanden es prinzipiell auch nicht gut, dass so ein junges Wesen mit einem solch altem Onkel zusammenleben sollte!

 

 

 

Ende Juli machten wir uns auf die Suche nach einer passenden Freundin für Kalinka und so fanden wir Cassedy! Cassedy war damals ein sechs Monate altes Warmblutstütchen mit beiderseitigen Bockhufen vorne. Sie wohnte mit ihrer Mutter bei dem Pferdehändler Krüger uns sollte nun abgesetzt werden.

 

 

 

 

So zogen die beiden "Babys" in einen Offenstall und begannen sich gegenseitig zu trösten: Kalinka half Cassedy über den Verlust ihrer Mutter hinweg und Cassedy half Kalinka über den Verlust von Mago hinweg. Nach zwei Tagen waren die zwei unzertrennlich.

 

 

 

 

Beide Mädels entwickelten sich prächtig. Cassedys Hufe werden regelmäßig durch den Schmied bearbeitet und es sieht so aus, dass eine korrekte Stellung erreicht wird. Kalinka nimmt zu und scheint mit ihrem Handycap leben zu lernen.

 

 

   


 


Am 12.11.03 kam dann der Tag der Wahrheit! Wir stellten Kalinka in der Klinik vor und zwei Ärzte besahen sich die Sache ausführlich! Nun, Kalinka hat einen sehr ausgeprägten Defekt: weicher und auch harter Gaumen sind betroffen und das ist eine schwierige Geschichte! Ein Arzt winkte sofort ab und der andere würde einen chirugischen Eingriff versuchen! Er nannte uns drei Möglichkeiten: 1) Wir machen garnichts, denn Kalinka kann so weiterleben wie bisher, dann besteht allerdings die Gefahr einer Lungenentzündung an der Kalinka 100%ig stirbt. 2) Er versucht eine Korrektur durch Mundhöhle und Nase, hat hier aber kein optimales Operationsfeld. 3) Er spaltet erst den Unterkiefer um ein optimales Arbeitsfeld zu bekommen, korrigiert den Defekt, und schließt dann den Unterkiefer wieder durch Nagelung, dies würde dann zwar eine lange Nachbehandlung mit künstlicher Ernährung nach sich ziehen, hätte aber die besten Erfolgsaussichten- jedoch ob es wirklich klappt, konnte er nicht sagen, er wolle es aber auf jeden Fall versuchen! Nun, wir fuhren mit unserem Stütchen erst mal wieder nach Hause. Wir sollen uns die Geschichte gründlich überlegen und mit unserem Tierarzt, dem lieben Herrn Dr. Neumann- Kleinpaul, nochmal durchsprechen.

 

Im Dezember 2003 rief uns der Klinikarzt nochmal an, er hätte die Videoaufnahmen von Kalinkas Defekt nochmal mit einem Professor der Humanmedizin durchgesprochen und man sei zu dem Ergebnis gekommen "es wäre einmal ganz interessant eine solche OP durchzuführen" und "einen Versuch könne man ja einmal wagen?"

 

 

Nun, diese Aussagen sind uns zu flatterig, Kalinka ist zwar behindert, aber deshalb wollen wir nicht, dass sie als Versuchskaninchen verwendet wird. Vielleicht sieht die Sache etwas sicherer aus, wenn Kalinka ausgewachsen ist und man kann dann mit einer Plastik arbeiten. Bis dahin wird sie einfach leben müssen,und dies klappt bisher ganz gut!

 

 

 

   


 


Kalinka wurde mit Cassedy, Jojo und Sally am 01.05.2004 als fast einjährige Stute auf die Sommerweide gebracht. Hier entwickelt sie sich wie es sich für ein so junges Mädel gehört. Die Bilder sind Ende Mai entstanden und alles sieht normal und gut aus :-).

   


 


 

   


 


Irgendwann beschlossen wir, Kalinka so zu nehmen wie sie ist ohne über weitere Möglichkeiten nachzudenken, ob man sie wie, wo und wann operieren lassen sollte. Die Chancen, dass die Geschichte gut ging war unglaublich gering. Kalinka lebte immer gut mit ihrer Behinderung. Als Kaltblüter würde sie nie ein Sportpferd werden müssen, warum sie also in Gefahr begeben.

In ihren ersten Lebensmonaten und -jahren verfolgten wir noch ängstlich jeden Schnauber und Huster, ob sie denn nun eine Lungenentzündung bekommen hätte. Heute sind wir gelassener et kütt sowieso wie et kütt und die letzten sieben Jahre ist et immer noch jot jejange :-)

Gut Steinhausen im Januar 2010

Kalinka heute:

 

 

 


 


****************************************************************************************************************

 

Lieber Pferdefreund!

Hier erzähle ich Ihnen die Geschichte eines Pferdes, wie sie sich täglich in Deutschland wiederholt. Eine Geschichte, die jedem Pferd passieren kann, wenn sein Besitzer sich dafür entscheidet, seinen "ach so geliebten" Kumpel an einen Händler zu geben, in der Hoffnung, dass dieser das Tier gut weiter verkauft.

Es ist die Geschichte eines Pferdes, welches zur falschen Zeit am falschen Ort war, die Namen sind austauschbar, es kann jedes Pferd treffen welches nicht dem Schema "unproblematisches Reitpferd" entspricht.

 

Ich erzähle Ihnen die Geschichte von

 

MAGO

 

 

oder: ein ganz normales Pferdeleben

 

Es begann im September 2002 in Düsseldorf:

 

Mago kam am 12.09.2002 zu uns, er war damals acht Jahre alt, ein Wallach, Westfale mit Papieren nach denen sich die Creme de la Creme der Deutschen Dressurreiterei die Finger lecken würde, 1,78m groß mit der Figur einer Kate Moss und den gesamten Körper mit Schürfwunden übersät. Er war äußerlich in einem erbärmlichen Zustand. Nach der ersten Untersuchung durch den Tierarzt stand fest, Verletzungen oberflächlich, Sehnen und Bänder alle ok, unterernährt aber ansonsten in Ordnung. Er kam mit seinen Papieren und einem Impfpass, was schon unglaublich viel ist.

Wir haben ihn von einem Händler, der für gewöhnlich die vorletzte Station ist. Anhand des Impfausweises war zu erkennen, dass Mago immer bei einem und dem selben Besitzer war und den riefen wir an, er erzählte folgendes:

Er hatte eine Stute, aus der er vor acht Jahren Mago zog. Mago, die Mutterstute und ein weiteres Pferd haben angeblich bei ihm nur auf der Weide und im Stall gelebt. Mago war nie eingeritten worden und habe auch seinen Stall und seine Weide, soweit er wüsste, nie verlassen. Er sei nun 72 Jahre alt, hätte ins Krankenhaus gemusst und er hätte niemanden, der sich um die Tiere kümmern könnte, da hätte er einen Pferdehändler angerufen und sie alle abholen lassen. Das wäre so August 2002 gewesen.

 

Mago war alle halbe Jahre geimpft worden, sein Leben lang hindurch. Auf unsere Frage, warum er so ausgefranste Hufe hätte, erklärte er uns, das wäre schon in Ordnung, die Hufe wären ok und so hätte auch nie ein Schmied daran gemusst!!! Also, dafür waren die Hufe wirklich gut :-).

Mago war bis dahin ausschließlich mit "gutem Hafer", "gutem Heu" und "frischem Gras" ernährt worden, so der Züchter.

 

Soweit die Geschichte, die der Vorbesitzer uns erzählte, den Wahrheitsgehalt können wir nicht überprüfen!

Es ist also erst mal nachvollziehbar für uns gewesen, warum Mago bei unserem Händler gelandet ist. Er war nicht eingeritten und er hatte überhaupt keine Erziehung, jedenfalls nicht von Menschen, genossen!

Wir lernen uns kennen:

Er kam in eine Außenbox mit Ausblick auf den Hof und der älteren Haflingerstute Jojo als Nachbarin. Am zweiten Tag holte ich ihn heraus und ließ ihn mit den anderen, auch Jojo, auf den Auslauf. Verständlicher Weise folgte er Jojo erst mal auf Schritt und Tritt. Glücklicher Weise war Jojo von dem schlanken Knaben angetan, wurde rossig und die zwei verstanden sich auf Anhieb. Alle anderen Pferde schienen Mago nicht geheuer zu sein, auch wenn sie sich ihm freundlich näherten,  versteckte er sich so gut es ging hinter Jojo.

 

 

Beim Putzen hampelte er herum, Hufe geben war nicht, wenn man sie vorne tatsächlich hoch bekam ließ er sich einfach auf das Wurzelgelenk fallen, hinten schlug er aus, schlug man ihn mit der flachen Hand gegen Brust, oder Bauch, schlug  er zurück oder versuchte zu schnappen, er war ein  freundliches Wesen :-)!

 

Nun, wir wollten ihn an diesem Tag erst mal kennen lernen, nicht überfallen. Ich nahm ihn an die 3m Leine, ins Halfter geschnallt, versuchte ihn zum Reitplatz zu führen, Jojo war gleich daneben auf dem Auslauf und wir schafften es bis zum Platz. Als ich ihn umdrehen wollte, lag ich im Dreck und Mago stand am Zaun bei seiner Jojo, er hatte mich einfach über den Haufen gerannt! Wegholen war nicht, er hatte sich anscheinend dort irgendwie angeklebt, jedenfalls stand er und stand und stand. Ob ich am Halfter zog und zerrte, war ihm unglaublich egal, er nahm überhaupt keine Notiz von mir.

 

 

Nun, ich wusste mit wem wir es erst einmal zu tun hatten, jemand für den Menschen überhaupt keine Rolle spielten, ok dachte ich: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Kein Problem.

 

 

 

Mit folgender Einstellung machte ich mich an Magos Erziehung (Mann möge mir verzeihen, ich denke manchmal vielleicht zu emotional):

Mago war für mich jemand, der von heute auf morgen aus seiner heilen Welt heraus gerissen worden war. Er war sein Leben lang mit seiner Mutter und einem weiteren Kumpel auf einer Wiese und hatte von heute auf morgen alles verloren- sein zu Hause, seine Mutter und seinen Kumpel. Ich stellte mir vor, was wäre wenn ich eines morgens von irgendwem abgeholt würde, und man schaffte mich auf den Jupiter- würde ich den Verstand verlieren???

Dies war meine Entschuldigung für Mago und deshalb bewahrte ich immer Ruhe, egal was er tat.

 

 

Mago musste sich nun mal in den täglichen Stallablauf einfügen. Er ging ab mittags mit den anderen auf den Auslauf, allzu eifrige Kollegen ließ ich nicht dazu. Nach 2- 3 Stunden holte ich ihn zum Putzen rein, es wurden gleichzeitig auch immer noch andere Pferde geputzt. Mein ständiger Begleiter war eine kurze Gerte, die ich immer nur mit dem stumpfen Ende (Griff) einsetzte. Versuchte er nach mir zu schnappen, gabs einen Klapps auf die Nase, hob er hinten das Bein um zu drohen, gab es einen kräftigen Schlag. Ich führte ihn am Halfter und Kette über der Nase und es war nur ein einziger, kräftiger Ruck nötig und Mago kannte das Kommando "Steh". Dann ging ich mit der Drei-Meter-Leine auf den Platz und fragte mich, ob er wenigstens den kleinsten Versuch zu ließ ihn an die Longenarbeit heran zu führen. Als ich genau zwischen ihm und dem Ausgang stand lief er wieder los. Diesmal war ich gewarnt und schlug ihm mit aller Kraft, die ich in mit meiner kurzen Gerte hatte, auf die Stirn. Und siehe da, er stoppte den Lauf, sah mich an und sah mir immer noch nach, als ich zur Seite trat. Ich wurde zur Kenntnis genommen.

Dies war für uns beide der Beginn einer vernünftigen Zusammenarbeit. Mago lernte innerhalb von zwei Wochen erst an der kurze Leine, dann an der Longe zu laufen. Er lernte die Kommandos "Schritt", "Trab", "Steh" und "Zurück". Ich habe ihn nicht ein einziges Mal mehr geschlagen. Er stand, wenn ich stehen blieb, er ging los, wenn ich los ging und er trat anstandslos zurück, wenn ich vor ihn trat und ihn darum bat.

Ich konnte seine Vorderhufe hoch heben und er erlaubte mir die Hinterhufe so weit anzuheben, dass ich sie zu mindestens so eben auskratzen konnte. Michael hatte damit angefangen, sie überkreuz aufzunehmen, so schlug Mago, wenn er denn wollte, gegen seine eigenen Beine, ätsch. Als er das erste Mal zum Schmied sollte, wurde er vom Tierarzt sediert. Den Schmied ließ er auf keinen Fall an seine Hufe und ich wollte keinen Stress für ihn. Der Schmied bescheinigte Mago außer einem Bockhuf erstaunlich gute Hufe.

So in der dritten Woche hatten Mago und ich unser Aha- Erlebnis. Ich longierte ihn, ich longiere gar nicht so richtig, sondern lasse die Pferde immer nur am Halfter ihre Bahnen in verschiedenen Gangarten drehen, so zur Unterordnung, als ein Heißluftballon über uns abzustürzen drohte. Er kam so niedrig über uns, dass ich die Gesichter der Leute gut erkennen konnte und ich hatte Mago an der Longe. Er kröppte sich natürlich auf, jeder kennt die Geräusche, wenn die Flamme im Ballon gezündet wird, aber er trabte seine Runden, mit hohem Schweif und hohen Kopf und machte die gleichen Geräusche wie der Ballon.

Galoppierte er an, gab ich das Kommando "Trab" und  gehorchte. Er zog mich nicht weg und er versuchte nicht irgendwie auszubrechen, ich blieb eisern, ich dachte, es könnte ja auch eine Straßenbahn sein und da müssen wir durch. Und wir haben das prima hin gekriegt, der Ballon landete dann 500m weiter mitten im Acker, keiner verletzt.

 

Nun, ich war mir aber sicher, dass Mago seine Lektion "Longe" sicher beherrschte und so setzte ich am nächsten Tag eines meiner Mädels darauf, dass Los viel auf Sabrina! Ich zog ihm eine Trense an, schnallte die Longe aber wie gewohnt ins Halfter. Er ging erst etwas starksig seine Runden, hörte aber einwandfrei auf meine Kommandos, er trabte eirig aber ging sofort in den Schritt, wenn ich ihn dazu aufforderte und nach einer viertel Stunde lief er seine Runden mit seiner jungen Reiterin, als wäre sie gar nicht da. Sie durfte auch von oben nicht agieren.

 

 

Das freie Reiten erfolgte einige Tage später, erst hinter einem Führpferd her, dann alleine, er benahm sich wie jedes junge Pferd, nicht besser und nicht schlechter. Ich denke, es ist möglich, dass früher mal einer drauf gesessen hat, kann sein, muss aber nicht sein.

 

Nun Mago war meiner Meinung nach ein sehr gelehriges Pferd, mit dem ich kaum Probleme hatte, im Gegenteil, ich halte ihn für klug, er ist kein Kämpfer und er ist uns gegenüber sehr,sehr freundlich. Bis dahin ist alles ok gewesen.

Magos Boxentür blieb inzwischen auch Tag und Nacht offen, so dass er in einer Art Offenstall wohnte, da wir beobachteten, dass er webte, sobald seine Jojo aus seinem Blickwinkel verschwand und er nicht anderweitig beschäftigt war.

Der erste Rückfall

Da wir Pferde, die soweit in Ordnung sind vermitteln, war Mago Mitte Oktober dran. Er war für uns vom Charakter wie jedes andere Pferd auch, seine Wunden waren verheilt, er war locker angeritten, so dass sich in unseren Augen ein Reiter relativ gefahrlos (soweit bei Pferden möglich) drauf setzten konnte, also stand seinem Verkauf nichts im Wege. Eine nette Dame so um die 40 ( wie ich damals)kam, verliebte sich in ihn und wollte ihn haben. Nun, ich bestand darauf, dass sie ein paar Male kommen sollte, damit die zwei sich besser kennen lernen konnten und das tat sie dann auch. Sie brachte ihren 16 Jahre alten Sohn mit und es sah in meinen Augen ganz gut aus. Am 15.10.2002 zog Mago ins Ruhrgebiet, nach Gelsenkirchen, und dann berichtete die Dame folgendes:

  

In ihrem Stall zeigte Mago ein vollkommen anderes Verhalten. Von Anfang an ließ er sich weder führen, noch stand er beim putzen still. Er rief ständig und ohne Unterlass nach anderen Pferden oder irgendwas, er ging durch, wenn man ihn von A nach B führen wollte und lief überhaupt nicht mehr an der Longe. Mago zeigte keinerlei Interesse an seinen Menschen und nahm diese überhaupt nicht mehr im Geringsten wahr! In der Box war er zwar artig, die Käuferin berichtete jedoch, er hätte einmal gebissen.

Mago wurde dort von einem Bereiter weiter ausgebildet und lief seine Runden in allen drei Grundgangarten. Dem Bereiter gegenüber benahm sich Mago tadellos, bei ihm zeigte er angeblich ausschließlich gute Manieren, die Käuferin vermutete daher, dass Mago ein reines Männerpferd sei.

Wieder zu Hause: Am 26.10.2002 kam Mago zu uns zurück.

Obwohl an diesem Tag in NRW ein riesiger Sturm tobte, musste Mago sich in den täglichen Ablauf wieder einfügen, dazu gehört das Putzen unter freiem Himmel. Mago stand nach der ersten Ermahnung wie ein Fels in der Brandung, ließ sich, obwohl uns die Äste um die Ohren flogen, anstandslos putzen. Er betrachtete aufmerksam aber nicht ängstlich seine Umwelt und ging artig und ohne zu zackeln oder zu stürmen in seine Box.

Mago benahm sich genau so, wie in der Zeit, bevor wir ihn verkauft hatten. Er zeigte sich als umgängliches Pferd, war etwas neues oder anderes im Stall, ging er wie jedes andere Pferd unter Führung an die Neuigkeit heran, besah sie sich und dann war die Sache in Ordnung. Er wurde weiter in der Bahn geritten, auch von fortgeschrittenen Anfängern und es sah so aus, als ob er sich zu einem anständigen Reitpferd entwickeln würde. Es gab überhaupt keinen Anlass zur Sorge; gut, er war nicht ausgebildet, aber er hatte Spaß an der Arbeit und ich war im Glauben, er wird ein super- tolles Pferd und ein prima Kumpel.

Wir konnten mit der Zeit die Hinterhufe hoch und manchmal auch richtig aufnehmen. Manchmal hatte er noch Angst, aber das war für mich alles nur eine Frage der Zeit.

Alles lief gut.

Der nächste Rückfall:

Der nächste Käufer rückte an. Diesmal war ich gewarnt, und ich wollte den perfekten neuen Besitzer für Mago. Einen Pferdemenschen, mit Rückgrat, Verstand, Durchsetzungskraft und Herz. Melanie aus Berlin kam. Sie klemmte sich Mago unter die Arme, sagte du oder keiner und ritt ihn bei uns, als hätte sie nie ein anderes Pferd unter dem Hintern gehabt. Sie nahm ihn an die Longe, putzte ihn, führte ihn hierher und dorthin, packte sich die Hinterhufe, war schnell genug weg, als er drohte, blieb noch eine Nacht bei uns und unterrichtete uns davon, dass Mago nun ihrer sei. Ich war begeistert, Michael auch und ich meine, ich hätte auch Mago lächeln sehen.

Am 08.12.2002 wurde Mago Berliner und zog um.

Melli rief 2x in der Woche an. Mago war der Star im Stall, Mago gab die Hufe, sie gingen ins Gelände, Melli und er wollten in den Distanzsport. Sie ritt ihn ohne Sattel, sie auch mal nur mit Halfter, die ganze Familie liebte ihn. Ich war glücklich, klopfte mir auf die Schulter und besetzte Magos Box mit dem nächsten "gefallenen Engel".

Ab Ende Februar kamen keine Anrufe mehr, nun, das ist normal und ich melde mich immer von Zeit zu Zeit bei meinen Käufern.

Mitte Juni 2003 rief ich Melli an und fragte, wie ich es immer tue, ob sie noch Spaß an ihrem Pferd hätte. Melli war sehr ruhig, als sie mir bei brachte, dass Mago sich zu einem "Verbrecher" entwickelt hätte. Sie berichtete, das Mago seit Mitte Februar von der allerbesten Bereiterin, M und S- Dressur erfolgreich, beritten würde, aber das würde nichts bringen, da Mago sich zu einem Buckler entwickelt hätte. Er hätte sie nun dreimal hintereinander abgeworfen und zwar auf die übelste Weise und sie hätte wirklich Angst vor ihm. Sie könnte ihn nicht mehr reiten, führen oder käme sonst irgendwie mit ihm klar. Die einzige die mit ihm klar käme wäre die Bereiterin und das wäre auf Dauer zu teuer und diese Dame hätte auch gemeint, es hätte keinen Zweck mit Mago und Melli.

Ich bat sie, Mago zurück zu bringen und sie war sichtlich froh darüber.

Seit Sonntag den 20.06.2003 ist er wieder bei uns-

und die Ausbilderin ist mitgekommen. Sie beschimpfte mich auf das Übelste, wie ich dem Mädel ein solches Pferd hätte verkaufen können, er würde nie ein Sportpferd werden, kein Reitpferd, nicht mal ein Schulpferd um im Kreis zu laufen. Mago müsste jede Minute, ja jede Sekunde unter Kontrolle gehalten werden, ich hätte auch gewusst, dass er ein Buckler ist und nur sie käme mit ihm klar, weil sie schon hunderte Problempferde der übelsten Sorte hin bekommen hätte. Sie würde auch Mago hinkriegen, aber das würde Melli nix nützen, da Mago ein reines Dominanzpferd wäre, der immer und jede Sekunde unter der Knute gehalten werden müsste.

Sie erklärte mir, wie ich die Hufe auszukratzen hätte: Vorne links, hinten links, hinten rechts, vorne rechts. In dieser Reihenfolge, nie anders, dass lässt Mago nicht zu. Sie erklärte mir, wie die Longe gehalten werden müsse, welche Ausbinder und wie, wo und wann ich irgendwo zu stehen hätte. Auf meinen vorsichtigen Einwand, ob Mago sich irgendwie den Rücken verknurpselt haben könnte, zählte sie mir so ungefähr eine Millionen Muskeln auf, die dafür verantwortlich sind, dass das Pferd keinen Reiter tragen könnte und das Buckeln hätte natürlich auch nichts mit der Wirbelsäule zu tun, wenn ich soviel Ahnung hätte, müsste ich das ja schließlich wissen. Dies leuchtete mir ein, ne- is klar!

Melli stand weinend daneben und wir einigten uns darauf, dass Mago trotz allem nicht zum Metzger kommt :-)))))))))))

Wieder zu Hause die Zweite:

Nun Mago ist wieder da, seit besagtem Sonntag 7.30h. Wir stellten ihn wieder in seine Box. Wie vor gut einem dreiviertel Jahr streckte er seinen langen Hals heraus um zu kontrollieren, ob die Nachbarbox bewohnt ist, ist sie, stehen Trudi und Bajazzo drin, Jojo ist auf der Sommerweide. Bei uns ist bis mittags Stallruhe, also ließen wie die Herrschaften in Ruhe und fuhren bis 14.00h nach Hause. Wieder im Stall angekommen, ließen wir alle Pferde raus. Mago latschte hinter der Ponydame Bonny her. Wir hatten zu dem Zeitpunkt keine Zäune, da wir neuen Sand bekamen, und so lief das Trum kreuz und quer durch den Stall, durch meinen Zwergenweg (Gartenzwerge), mit dem Kappes in das Katzenhaus und was man so macht, als Welpe :-)

Gegen  16.30h holte ich ihn dann herein und habe ihn abgespritzt, alle vier Hufe ausgekratzt, vorne rechts, da stand ich gerade, hinten rechts, vorne links, hinten links; ich mache das immer so: vorne- hinten, vorne- hinten. Mago wars egal! (Gott oh Gott, wenn das die Bereiterin gesehen hätte!)

Dann hat Michael ihm den Sattel auf den Rücken geschmissen, sich drauf gesetzt und ist los geritten, 10 Minuten Schritt am langen Zügel, dann die Zügel aufgenommen und ist losgetrabt und wieder Schritt und Steh und Trab, mal richtig zusammengeknallt (wehrt er sich?) und einmal im flotten Trab über das Grundstück und Schritt und so weiter und so weiter. Immer wenn er vorbei kam hörte ich nur ein Gemurmel so wie "S-Dressurreiter","geistiger Dünnschiss" und andere Nettigkeiten.

  

 

Nach einer halben Stunde und ein paar Runden im Schritt ist er abgestiegen und ich habe so ungefähr die 10. Zigarette ausgedrückt. Micha sagte nur, gut das er wieder da ist und drückte mir die Zügel in die Hand. Ich habe ihn dann blitze blank geputzt und in die Box gestellt. Die Tür machten wir erst einen Tag später auf, er konnte dann wieder in einem "Offenstall" wohnen. Die nächsten fünf Tage hat sich das dann alles genauso wiederholt, kein Buckler, kein Zackeln- keine besonderen Vorkommnisse!

 

Eine Woche, nachdem Mago wieder bei uns zu Hause war, es war am 29.06., bekam er beim Wälzen ein kleines Holzstückchen zwischen die Hinterbeine und blutete stark. Unser Tierarzt, der liebe Dr. Neumann-Kleinpaul, kam sofort, untersuchte das ganze, wühlte nochmal in der Wunde rum ob noch Reste drin wären und nähte dann alles zu. Mago musste leider Bettruhe bewahren. Er genoss das wohl auch, und war ein vorbildlicher Patient. Selbst als die Wunde sich entzündete und noch einige Holzsplitterchen heraus eiterten, ließ er sich idR willig behandeln.

 

 

Mago genießt sein Leben auf seine eigene Weise, er ist uns Menschen gegenüber aufgeschlossener als manches "verhätschelte" Privatpferd, wie wir es aus den großen und erstklassigen Batterie- Ställen kennen. Mago ist wie gesagt ein Pferd, der einfach nur das Pech hatte, zur falschen Zeit zum falschen Händler gekommen zu sein. Er ist nur ein Pferd von vielen, die irgendwann von ihren Besitzern auf eine Odyssee geschickt werden, aus der es für sie kein Entkommen gibt, wenn sie nicht unglaubliches Glück haben!

Mago brauchte zwei Wochen um seinen Splitter richtig zu verarbeiten. In dieser Zeit ließ er sich ausgiebig von uns betüddeln und genoss jede Aufmerksamkeit!

 

Am 11.07.03 setzte sich Micha dann wieder drauf und Mago zeige wie sehr er buckeln kann: ER MACHT EINEN KRUMMEN RÜCKEN! Huuuuuu! Er ließ sich sofort von Micha beeindrucken als dieser die Zügel kurz nahm und ihm einen Klaps mit der Gerte gab. Da zufällig die Tierärztin anwesend war, warf sie kurz einen Blick auf Mago und meinte, eine Untersuchung des Rückens könnten wir uns schenken, Mago sollte einfach seine Grenzen aufgezeigt kriegen, auch sie hält ihn nicht für ein besonders schwieriges Pferd ( sie ist nebenbei auch Bereiterin :-)

Dies war und blieb bis zum heutigen Tage der einzige "Zwischenfall", den Mago sich geleistet hat, einen krummen Rücken! Wenn das unsere S- Dressurreiterin als Problem ansieht, frage ich mich, was reitet man in Berlin: tote Pferde?

Nun denn, Mago hängt nach wie vor sein Herz an den ersten Stallnachbarn den er kennen lernt, und wird äußerst ungehalten, wenn dieser nur den Anschein macht, er würde sich entfernen.

 

Wir versuchten Mago nun hiervon ein wenig abzubringen und er durfte stundenweise alleine auf unsere Gänsewiese (hier dürfen nur die Notfälle drauf, da es unsere einzige richtig grüne Wiese ist). Wir ließen jedoch alle Zäune offen, sodass Mago immer wieder alleine in den Stall kommen konnte, wenn ihm danach war. Er genoss es sichtlich und bewegte sich mit absoluter Sicherheit zwischen Tisch und Stühlen, von Zeit zu Zeit setzte er sich zu uns und nahm rege am Gespräch teil :-))))))))). Leider hängt er sich immer noch an seine Freunde, er gibt es nicht auf, wobei er sich jedoch nicht mehr so stark an einem Pferd orientiert!

 

 

Am 20.07. sind die Stoppelfelder da! Ein Grund für Michael mal Mago zu fragen, was er davon hält und Mago war begeistert. Nach dem ersten vorsichtigen Trab, wusste Mago um was es ging und trat seinen ersten Galopp auf freiem Felde an und er machte es super lieb! Da nun auch seine geliebte Jojo da war, fühlte er sich sicher und es gab keine Probleme, Micha sagt, er wäre ein bisschen schwer fällig, eben nicht das typische Rennpferd, aber das soll er ja auch nicht sein!

 

 

Mitte Juli kommt das 3einhalb Monate alte Kaltblutstütchen KALINKA zu uns und besetzt nach drei Tagen Magos

Box. Mago ist  ganz begeistert von der Kleinen und sie darf vorerst bei ihm  wohnen bleiben. Obwohl seine Box nicht riesengroß ist, bleiben beide auch übernacht zusammen und trotzt meiner Bedenken ist nie was geschehen, Mago ist ein vorbildlicher Onkel!

 

 

 

Irgendwie sind wir dann Ende Juli zu dem Eindruck gekommen, dass Mago nun doch nicht so gefährlich zu sein scheint, wie es uns die Herrschaften aus Berlin einreden wollten. Und wir finden auch, dass  sich ein Pferd an verschiedene Reiter und Reitweisen zu gewöhnen hat, also wählen wir Nicole (15) als Reitbeteiligung. Mago ist nett zu ihr und Nici ist nett zu Mago. Quasi wie ein ganz normales Reiterpaar; wie gesagt- keine besonderen Vorkommnisse bis dahin!

 

Mago fügte sich wie ein ganz normales Pferd in unseren Stallablauf ein. Die Jugendlichen ritten ihn regelmäßig in der Reitbahn und im Gelände, hier auch gebisslos, da Mago sich als ehr ein ruhiger Vertreter seiner Art entwickelte. Bis auf seinen extrem schwungvollen Gang gab es selbst für blutige Anfänger nie einen Grund zur Klage ;-)

In den Wintermonaten wohnte er mit einem Freund im Offensstall und in den Sommermonaten ging er mit seinen Kumpels für fünf bis sechs Monate auf eine Sommerweide. Man konnte ihn mit jedem Pferd zusammenstellen, solange es ein freundliches Pferd war. Mago liebte sie alle egal wie sie daher kamen, jedoch vor dominanten Zeitgenossen hatte er immer fürchterliche Angst, vor solchen Pferden nahmen wir ihn immer in Schutz und er dankte es uns mit seiner unglaublichen Anhänglichkeit.

Auf Umweltreize reagierte er immer gelassen, manchmal auch neugierig, aber nie panisch, Mago schmurgelte sich so sehr in mein Herz ein, dass er neben Mörbchen mein Liebling wurde, den es immer zu beschützen galt.

Im Frühjahr des Jahres 2005 bekam Mago eine Kolik und musste in die Klinik. Er wurde noch in der Nacht notoperiert, überstand dies aber ohne Komplikationen. In dieser Nacht fürchtete ich um sein Leben, als ich ihn am nächsten Morgen besuchte, stand er wie ein Häufchen Elend in seiner Box und legte seinen großen Kopf an meine Brust. So verharrten wir lange und mir wurde bewusst, wie sehr auch ein Pferd sein Herz an einen Menschen hängen kann- Mago war einfach nur froh, dass jemand bei ihm war, den er kannte.

Ich besuchte ihn jeden Tag und konnte seine Genesung mitverfolgen. Nach fünf oder sechs Tagen meinte seine Ärztin, ich solle ihn mitnehmen, da er sich über den Klinikablauf furchtbar aufregen würde; holte man ein Nachbarpferd aus einer Box, verfiel Mago in seine alte Verhaltensweise und tobte in seiner Box.

Er kam also wieder nach Hause und kurz darauf auf die Sommerweide, alles war wieder gut.

 

 

 

Dann, ein Jahr später kam unser Umzug hier nach Wermelskirchen auf Gut Steinhausen. Anfangs waren wir sehr skeptisch, da es auch hier nur eine Stallgasse mit Boxen gab. Aber Mago schien sich in der Umgebung seiner alten Freunde relativ sicher zu fühlen. Wir sorgten trotzdem vor, indem wir ihn immer als ersten aus der Box führten aber nie als ersten hinein. Magos Seelchen verkraftete den Umzug mit seinem neuen Stall ohne Probleme.

Zusammenfassung:

Wir glauben,  dass Mago ein ziemlich normales Pferd ist. Er verhält sich, was das Reiten und Putzen angeht, genau so wie jedes andere "normal" Pferd auch!

Mago hängt sich an seine Freunde und wir glauben dass es daher kommt, weil Mago 8 Jahre ausschließlich mit seiner Mutter und einem weitern Kumpel zusammen gelebt hat!

Mago ist dreimal von uns weggegangen und immer in einen schicken Batteriestall. Wir glauben, dass er diese Haltung nicht kennt und auch nicht mehr kennen lernen sollte. Mago lebte immer "am Haus" mit täglichem Anspruch "seiner" Menschen und er bewegt sich frei laufend mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass wir meinen, dies ist die einzige Haltungsform, die für ihn in Frage kommt!

Mago hat das Pech, einen Stammbaum von Rang und Namen zu haben. Wir meinen, dass man hier nicht das Pferd nach seiner Abstammung zu beurteilen hat, sondern nach seinen Bedürfnissen. Mago ist bereit in allen Sparten der Reiterei zu arbeiten und nur bei einer  gesunden Mischung wir er dann auch Höchstleistungen in den einzelnen Disziplinen erbringen,  daran glauben wir fest! Mago hat zwar das Dressurpferd schlechthin in sich, deshalb sollte er jedoch nicht daraufhin geknebelt werden!

Mago ist ein Pferd, welches jeder "Idiot" reiten kann, deshalb muss er in Hände,die ihn vor solchen Menschen schützen. Er braucht unserer Meinung jemanden, der ihn mit Herz und Verstand leitet, jemand der ihm Vorbild ist und ihm die nötige Sicherheit gibt, die er braucht um in der für ihn vollkommen unbekannten Welt einen Halt zu geben. Das letzte was Mago braucht ist jemand, der ihm nicht zutraut, ein wirklich erstklassiges Reitpferd und ein super guter Kumpel zu sein. Menschen die selbst an sich zweifeln sind Gift für Leute wie Mago.Mago braucht jemanden,  der ihm bedingungslos positiv gegenüber  tritt und ihn auffängst, wenn er ins straucheln gerät und nicht zur Seite tritt!

Dies muss kein Vollprofi sein, nicht einmal jemand, der meint, mit "jedem Pferd" fertig werden zu können, nur jemand, der das in Mago sieht was er ist:

 

Ein Freund!

 


Da wir Mago richtig kennen lernen durften, glauben wir  auch zu wissen, warum er in  anderen Ställen so ganz anders war  als bei uns. Wenn Mago irgendwo fremd ist, verträgt er es nicht, in einer Box eingesperrt zu sein und fühlt sich sofort verlassen, wenn ein Pferd der Gruppe den Stall verlässt. Ist er eingesperrt, flippt er  total aus- nicht wie andere  Pferde, die unruhig scharren, rufen und im Kreis laufen, Mago schnappt vollkommen über und ist nicht mehr ansprechbar. Er steigt, der buckelt, er wühlt die Einstreu komplett durch, er rennt gegen die Tür und wenn man den Riegel öffnet, stürmt er hinaus- ohne Rücksicht auf Verluste, ist man als Mensch nicht schnell genug auf Seite gesprungen, hat man das Nachsehen. Mago lässt sich durch nichts und niemanden beruhigen, egal ob alle anderen Pferde da sind oder nicht- eins ist gegangen und dies scheint für ihn eine Katastrophe zu sein. Er tobt über Stunden, ist schweißnass und nicht ansprechbar, Verletzungen inbegriffen.

Kommt das betreffende Pferd zurück in den Stall, fällt Mago in sich zusammen und hat  tagelang nicht anderes zu tun, als alle Mitglieder der Gruppe im Auge zu behalten- für ihn bedeutet das Stress pur.

Nun, in unserem Stall fiel seine Macke nicht auf, da Mago herumlaufen  konnte wie er wollte und er nie eingesperrt wurde, war er mit Mitgliedern seiner Gruppe auf den Paddocks, schaute er  dem dahingehenden Pferd hinterher, rief ein- zweimal und widmete sich den Tagesgeschäften.

Hier kam ein weiterer Teil seiner Macke zum Vorschein, Mago hatte in unserem Stall ritualmässig den gleichen Tagesablauf, immer, jeden Tag den der liebe Gott geschaffen hatte: bis 8.00h morgens füttern, Ruhe im Laufstall bis mittags, gegen 14.00h Gruppenweise auf seinen ureigenen Paddock, gegen 16.00/17.00h beginn der Arbeit, dann Zähne putzen, Pippi machen- ab ins Bett.

 Kam er mittags zum Beispiel nicht auf seinen Auslauf, sondern auf unsere Kirmesplatzwiese, empfand er dies als Bedrohung und war überaus nervös- war er eine Stunde auf dem Paddock und ging dann mit den Kollegen auf die Wiese,war dies ok- schließlich wurde ja immer nach dem Paddock gearbeitet :-)

 

Nun, wir nahmen auf Magos Ängste Rücksicht und er dankt es uns, indem er sich ständig bemüht, das Traumpferd schlechthin zu sein. Wir meinen, ein größeres Kompliment kann uns kein Pferd machen und deshalb haben wir beschlossen, das Mago so lange bei uns bleiben kann, wie er möchte.

 

 

 

 

 

 

Wenn er sich hier nicht mehr wohl fühlen sollte, wird er es uns mitteilen, dies kann er, wie er ja hinreichend bewiesen hat :-))))))))))

***********************************************************************************************

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

to Top of Page