Ludwig

Der alte Mann und die Seesterne
Im sonnigen Kalifornien lebte ein alter, weiser Mann, welcher jeden Morgen zum Sonnenaufgang am Strand spazieren ging. Man sah, wie er sich fortwährend hinunter beugte, etwas aufhob und ins zurückweichende Meer warf.
Dieses beobachtete eines Tages ein junger Mann aus weiter Ferne, der auch schon früh auf den Beinen war. Als dieser sich noch mehr näherte, sah er, dass der alte Mann Seesterne aufhob, die an den Strand gespült worden waren, und – einen nach dem anderen – warf er sie ins Meer zurück.
Der junge Mann war verblüfft. Er näherte sich dem alten Mann und sagte: “Guten Morgen, alter Mann. Ich habe mich gefragt, was sie da tun.“
„Ich werfe diese Seesterne zurück ins Meer. Sehen sie, es wird gerade Ebbe und all diese Seesterne sind ans Ufer gespült worden. Wenn ich sie nicht ins Meer zurück werfe, wird die heiße Sonne sie austrocknen und sie werden sterben.“„Ich verstehe“, erwiderte der junge Mann. „Aber es muss an diesem Strand tausende von Seesternen geben. Sie können unmöglich alle zurück ins Meer werfen. Es gibt einfach zu viele. Sehen sie nicht, dass sie unmöglich etwas ändern können, einer mehr oder weniger, was macht das für einen Unterschied?“
Der alte Mann lächelte, beugte sich wieder hinunter und hob einen weiteren Seestern auf. Auch diesen warf er zurück ins Meer. Dann sah er den jungen Mann an und erwiderte: “Für diesen einen macht es einen Unterschied.“

Die erste Begegnung mit Ludwig hatten wir im Sommer des Jahres 2007. Er stand dort mit einigen anderen Ponys bei einem Pferdehändler auf dem Auslauf. Er war ein älters Pony, mager, jedoch nicht zu dünn und auf unsere Frage wer das denn wäre bekamen wir zur Antwort, dass sei ihr bestes Schulpony "Beethoven" und den würden wir nicht bekommen.
Im Spätherbst des gleichen Jahres sahen wir Beethoven wieder, er war deutlich abgemagert, und wir bemägelten, dass er das falsche Futter bekommen würde. Er sei ein altes Pferd und brauche entsprechende Nahrung. Leider hatten wir auch diesmal keine Chance, das Kerlchen zu bekommen.

Im März des Jahres 2008 waren wir wieder bei dem Händler um die kleine Sorayh dort rauszuholen und da stand Beethoven total abgemagert und aphatisch in einer Box, es brach uns das Herz. Der Händler wollte ihn uns wieder nicht hergeben, er meinte das Pony wäre zu krank und würde es eh nicht schaffen. Wir fuhren mit Sorayh nach Hause. Am nächsten Tag rief Michael den Händler an und erklärte ihm, dass wenn wir Beethoven nicht noch am gleichen Tag bekommen würden, wäre unsere "Geschäftsbeziehung" ein für alle Male beendet.
Noch am gleichen Abend konnte ich ihn für 150,- Euro holen. Sicher viel Geld für einen Haufen alter Knochen aber Peenuts für ein beendets Leid!
Aus Beethoven wurde Ludwig und dieser zog am 17.03.2008 bei uns ein!
Die am nächsten Tag herbeigerufene Tierärzin schätzte meine Alter auf ungefähr dreißig Jahre. Jedenfalls zweifelte Frau Caßadelli daran, dass ich irgendwie wieder hinkomme.
Im Hause Beß glaubt man jedoch daran, dass die meisten Pferde mit ein wenig Ruhe, Pflege, Futter und ganz viel Liebe wieder hinzubekommen sind. Deshalb wurde mein "Aufbauplan" entsprechend aufgestellt.
Ich bekam eine riesige Box ganz für mich alleine, weil ich beim Händler mit einem weiteren Pferd zusammen wohnen musste. Leider fraß mir mein damaliger Kollege alles Futter weg.
Als erstes jedoch galt es mich regelmäßig zu putzen damit meine kleinen Mitbringsel, Haarlinge, mich nicht mehr quälten.

Wie bei den meisten Pferden dauerte es so seine Zeit, bis man erkennbare Fortschritte sehen konnte. Im April des Jahres 2008 ließ meine Figur noch zu wünschen übrig. Jedoch hatte mein Gemüt sich verändert. Ich bekam wieder Freude am Leben. So schlecht ich anfangs gefressen hatte, so forderte ich dann mein Futter ein. Für die Beß hier ein deutliches Zeichen, dass es bergauf ging. Außerdem hatte ich eine liebe Freundin gefunden und die galt es ständig und immer im Auge zu behalten.

Drei Monate später sah ich dann wieder so aus, wie man es sich hier wünscht. Da die Beß aber daran glauben, dass jemand wie ich, der doppelt so viel Futter wie ein Großpferd verarbeiten muss, dabei nicht auf der faulen Haut liegen darf, suchte man eine kleine Personaltrainerin für mich. So lernte ich Lydia kennen, der ich vorsichtig und gemütlich das spazierenreiten im Gelände beibrachte.

Nachdem Lydia dann so einiges mit mir gelernt hatte, wechselte sie auf ein jüngeres Pferd. Ab Frühjahr 2009 war dann mein Job, kleine Kindlein durchs Gelände zu tragen. Das ist hier bei den Rentnern so üblich: wir zeigen den Jüngsten, was für tolle Gefährten wir Pferde sind :-)
Im Juni fand Marion dann unsere Internetseite auf der ich offiziell nach einem Job als Betreuer für Menschen suchte, die am Umgang mit Pferden Spass hätten, aber nicht reiten wollten. Marion sah mein Foto und verliebte sich ungesehen in mich, ganz wie es heute bei Internetbekanntschaften so üblich ist ;-)

Es dauerte keine zwei Monate, da beschloss Marion, dass ich nicht mehr beim Ponyreiten mitlaufen sollte. Sie übernahm mich mit Haut und Haaren, verprach den Beß, mindestens dreimal in der Woche mit mir mein Fitnessprogramm zu absolvieren, damit ich nicht einroste und übernahm zu allem Überfluss noch meine gesamten Futter- und Schmiedkosten!!!!!
Ludwig kam schon als alter Herr zu uns. Er entwickelte jedoch noch so viel Lebensfreude, dass wir ahnten welch temperamentvolles Kerlchen er als junges Pferd einmalmal gewesen war. Er hatte seinerzeit sicher auch eine sehr gute Ausbildung erhalten. Er zeigte, wie gerne er mal Herdenchef war und wie viele Damen er um sich versammeln konnte. Er zeigte auch, dass er auch im hohen Alter durchaus noch seinen eigenen Kopf haben konnte. Am 06.Dezember des Jahres 2009 jedoch war auch die Zeit für diesen stolzen, alten Herren gekommen ....
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Beverly

Am 02.02.2009 legte sich unser Berverly im zarten Alter von fast 43 Jahren gegen Mittag in seine Box und zeigte uns, dass er Bauchschmerzen hatte. Der sofort herbeigerufene Tierarzt meinte, dies könnte bei einem so alten Persönchen übel ausgehen. Beverly wurde zwei Tage mit starken Medikamenten behandelt, in der Nacht vom 04.02. auf dem 05.02.2009 schlief er dann für immer ein....

Beverly kam im Jahre 1992 im Alter von 25 Jahren zu uns. Wir glaubten, er könne noch so vier oder fünf Jahre ein gutes Lehrpony für unser Kinder sein. Wir hatten die Rechnung ohne ihn gemacht, Beverly war zu dieser Zeit noch ein äusserst munteres Kerlchen und buckelte sämtliche Blagen regelmäßig herunter.
Es dauerte noch einige Jahre, bis Beverly sich mit dem Dasein als "Kindepony" abfand, aber ab diesem Zeitpunkt war er der beste Freund, den Kinder sich vorstellen konnten. Auf ihm machten ganze junge Generationan ihre ersten angstfreien Reiterfahrungen und Beverly achtete stets darauf, dass er sie nicht verlor.
Als Beverly 36 Jahre alt wurde beschlossen wir ihn zukünftig nicht mehr reiten zu lassen und verordnetem ihm den Ruhestand- er dankte es uns mit einer Hufrehe. Der liebe Dr. Neumann-Kleinpaul wusch uns kräftig den Kopf und schickte Beverly wieder zur Arbeit. Beverly trug fortan weiter kleine Kinder durch die Gegend und war bis zu seinem Abschied gesund und putzmunter.

Irgendwie dachten wir immer, Beverly sei unsterblich, und dann ging es doch so schnell......
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Franz

Warum frisst du deine Brötchen nicht?!
Es ist Donnerstag der 14.März 2008 und wir hatten verschlafen. Genau um sieben Uhr, zur Fütterungszeit, bin ich aufgewacht. Im Grunde nicht wirklich dramatisch, da ich mich in der Firma vor niemandem rechtfertigen muß, aber der Zeitplan stimmt dann nicht mehr.
Um viertel nach sieben gehen Micha und ich raus, Frühstück für die Leute verteilen. Franzmann und Kalinka, die beiden wohnen in den "Hofboxen" blubbern mich vorwurfsvoll an, alles scheint wie immer.
Ich stelle die beiden Futterschüsselchen für Mörbchen und Beverly bereit, fülle für die zwei die Heucops rein, gehe zu Franz, fülle bei ihm die Heucops rein, wie immer beginnt er sofort zu fressen. Dann gehe ich zur Futterkiste, mische Hafer und Reformhafer, ein wenig für Mörbi, etwas mehr für Beverly, den größten Teil für Franz. Ihm schmeiße ich noch einige Brötchen hinterher, auf den Boden.
Dann gehe ich in die Scheune, versorge die Leute dort, gehe zurück und fülle Michael nach und nach die Heukarren, wärend dieser den Boxenpferden das Heu gibt.
Um viertel nach acht sind wir alle aufbruchfertig, als ich in den Wagen steigen will, fällt mir auf, dass ich Kalinka und Franzmann kein Heu gegeben hatte "Martina" schimpfe ich mit mir "bei der Fütterung darfst du dich nicht hetzen lassen"
Ich hole eine Karre Heu und bringe sie erst Kalli, dann zu Franz. Nanu, wieso frißt er seine Brötchen nicht?!? Ich werfe Heu rein und er beginnt zu knabbern, ich denke nicht weiter darüber nach, ich bin in Gedanken schon in der Firma.
Gegen mittag ruft Mischa, Franz`Frau, mich an, sie bräuchte die Nummer vom TA, mit Franzmann würde etwas nicht stimmen, er liefe ganz seltsam. Bei mir schellen sämtliche Alamglocken- er hat heute morgen seine Brötchen nicht gefressen!!!! Hat er sein Kraftfutter gefressen??? Ich weiß es nicht, ich habe nicht darauf geachtet. Ich rufe Mischa an, gestern Abend hatte er Möhrchen, da gab es mal eine Schlundverstopfung. Nein, sein Napf war leer, er macht auch nicht den Eindruck, als hätte er eine Schlundverstopfung, er kann seine Hinterbeine nicht koordinieren.
Ich bin aufs äusserste beunruhigt und- wieso habe ich nicht hinterfragt, warum seine Brötchen nicht gefressen hat, er hat sie immer gefressen! Soll ich hoch fahren?!? Nein, Mischa und Debby sind bei ihm, Frau Doktor ist unterwegs, er ist in besten Händen.
Einige Minuten später ruft Mischa an und fragt mich nach dem Pferdepass von Franz und- WO ER LIEGEN KÖNNE!!!
Nein- nein- nein! Er war gestern Abend noch vollkommen mein Franzmann, wir üblich haben wir zwei noch "Kopf an Kopf" gemacht, er hat wie üblich den Müll kontrolliert, den in rausgebracht hatte, er kann heute nicht totkrank sein!!!! Er hatte doch lediglich die Brötchen nicht fressen wollen!
Als wir nachmittags nach Hause kamen, war er tot. Was er letztendlich hatte, vermag man nicht zu sagen. Er konnte nicht mehr laufen, Debby sagt, er hatte ganz leere Augen, er schien müde zu sein.
Franzmann starb mit 31 Jahren, wie alle vor ihm wurde er abgeholt. Der Mann von der Bestattungsfirma ließ mich seinen Kopf halten, wärend er die Schlinge um seinen Hals legte, dann durfte ich gehen.
Es ging alles sehr ruhig und schnell, Franz war auf dem LKW nicht alleine. Der Mann schloß sie Plane und sie fuhren davon, den Berg hinauf, weiter durch den Wald bis sie hinter einer Kurve verschwanden.
Gut, es war nicht unser Pferd, aber er war halt unser Franzmann und das letzte was ich zu ihm sagen konnte war: warum frisst du deine Brötchen nicht.



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Püppchen und Max

Püppchen und Max kamen im Herbst des Jahres 2006 zu uns. Diese liebenswerten, alten Leute waren unzertrennlich und traten immer und überall nur zu zweit auf. Die lahme Fuchsstute Püppchen war die Führerin für ihren blinden Freund Max.
Leider litt Püppchen an einer starken Athrose, sodass es ihr nur mit Medikamenten möglich war, schmerzfrei zu leben. Dies konnte nicht für immer gut gehen. So hatten wir in Absprache mit unseren Tierärzten beschlossen, ihr so lange ein lebenswertes Leben zu ermöglichen, bis sie uns zeigt, dass sie nicht mehr möchte. Dies tat sie dann im Januar 2008, sodass wir sie am 30.01.2008 gehen lassen mussten. Max, ihr treuer Freund und ewiger Schatten begleitete sie, da für ihn ein Leben ohne seine Freundin nicht möglich war.





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Bajazzo

Sechs Jahre lang ist er immer irgendwo rumgewuselt, sechs Jahre lang dachten wir immer wieder mal "jetzt geht es nicht mehr", sechs Jahre lang dachten wir "Bajazzo" ist der nächste und sechs Jahre lang hat er die TÄ und uns zum Narren gehalten indem er immer wieder aufstand und eine lange Nase gemacht hat.
Am 01.05.2006 jedoch verschwand der Glanz in seinen Augen und wir wußten, jetzt ist es so weit und da haben wir ihn gehen lassen...

( Ankunft im Jahr 2000 )
Bajazzo kam im Sommer 2000 von "unserem" Händler als "12-jähriger" zu uns.
Bajazzo war in einem äußerst schlechtem Pflege- und Futterzustand und unser TA, der liebe Dr. Neumann- Kleinpaul diagnostizierte zudem auch noch akute Hufrehe. Die Altersbestimmung ergab, dass Bajazzo die 30 bereits überschritten hatte :-)







Dank eines Rehebeschlages bekamen wir die Krankheit in den Griff und Bajazzo konnte seinen Ruhestand noch 6 Jahre genießen. Leider haben wir es nie geschafft, dass er eine anständige Figur bekam und immer wieder gab es Situationen, in denen wir glaubten, nun ist es vorbei.
Aber immer wieder hat er sich spätestens beim Eintreffen der TÄ wieder berappelt und uns zum Narren gehalten.
Fast bis zum Ende hatte er diesen wachen Blick, der uns immer wieder bewußt gemacht hat, welch ein wunderschönes munteres Pferdchen er einmal gewesen war!

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Nös

Unsere Nös kam im September des Jahres 2004 als 30-jährige Dame zu uns. Nös war damal ziemlich verhungert. Sie nahm stetig zu, fügte sich problemlos in die Stallgemeinschaft ein und es sah alles so aus, als könnte sie noch einige gute Jahre bei uns verbringen. Im Dezember 2004 zeigte Nös deutliche Symtome eines Hufgeschwürs, welches sich jedoch als Hufbein- und Sehnenvereiterung herausstellte. Wegen der schlechten Prognose und der starken Schmerzen wurde Nös dann am 18.01.2005 in der Klinik von ihrem Leiden erlöst.





So sah Nöschen aus, bevor sie zu uns kam :-(

und so


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Trudi

Unsere Trudi hat in ihren letzten fünf Lebensjahren dem Tod einige Male getrotzt. Als 30-jährige überstand sie ohne irgendwelche Komplikationen eine Kolikoperation. Zwei Jahre später überlebte sie dank der Tierklinik Heiligenhaus eine böse Schlundverstopfung und wieder ein Jahr später versagten die Nieren fast ihren Dienst.
Alles das konnte unser altes Mädchen nicht von den Beinen werfen :-) Als ihre Zeit dann gekommen war, schlief sie in der Nacht vom 10. auf den 11.01.2004 friedlich in ihrer Box ein.